Mit Arzneipflanzen gesünder alt werden

Auf der Suche nach dem pflanzlichen Jungbrunnen

Motivation

Lässt sich das biologische Altern mit Hilfe von Arzneipflanzen wirkungsvoll bremsen und damit die „Gesunde Lebenserwartung“ (HALE) verlängern? Oder bleiben ayurvedische Rasayanas, Jing nährende Tonika der chinesischen Phytotherapie und moderne „Anti-Aging-Pflanzen“ nur ein Mythos?

Eine aktuelle Analyse des Weizmann-Instituts für Wissenschaften kommt zum deprimierenden Ergebnis, dass die Lebenserwartung eines Menschen zu rund 55% von seinen Genen determiniert wird, während man bisher davon ausging, diese wäre zu 75% von äußeren und damit beeinflussbaren Umweltfaktoren abhängig.

Doch genau an der Stelle des vermeintlich unaufhaltsamen, intrinsischen Alterns kommen Pflanzen ins Spiel, welche vielschichtig und mitunter zielgenau an molekularen, zellulären und letztlich systemisch bedeutsamen Alterungsprozessen wie Atherosklerose, Neurodegeneration oder Organatrophien angreifen.

So konnte beispielsweise für den seit Jahrhunderten in der chinesischen Phytotherapie bei kardiovaskulären Erkrankungen genutzten Rotwurzel-Salbei nachgewiesen werden, dass dieser im Menschen Gene hochreguliert, deren Endprodukte vor einer gefäßschädigenden Oxidation von LDL-Cholesterin und damit vor atherosklerotischer Plaquebildung schützen. Im Vergleich zu einer den LDL-Spiegel mechanistisch senkenden Statin-Therapie, hilft Rotwurzel-Salbei (Salvia miltiorrhiza) zu einer verbesserten Ausschöpfung körpereigener Gefäßschutzmechanismen, wodurch das Risikopotential von erhöhten LDL-Werte reduziert wird.
Damit ergeben sich z.B. bei familiärer Hypercholesterinämie, metabolischem Syndrom oder koronarer Herzkrankheit mit einem hohen Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse sinnvolle Synergien zwischen konventioneller Medizin und Phytotherapie.

Abb. oben: Das Vielstoffsystem des Rotwurzel-Salbeis führt zur „Aktivierung“ spezieller DNA-Sequenzen, die das Auslesen gefäßschützender Gene einleiten. Damit wird kein Prozess künstlich erzwungen, sondern lediglich das natürlich vorhandene, anti-atherosklerotische Reaktionspotential in unserem Genom besser ausgeschöpft. (Foto: Vogt©)

Intrazelluläre Reinigung mit Seifenstoffen

Zu den bedeutsamsten spirituellen und das Nervengewebe verjüngenden „Geistpflanzen“ des Ayurvedas zählt der Asiatische Wassernabel (Centella asiatica). Lange ging man davon aus, dass seine neuroprotektive Wirkung auf einem Schutz vor der bei jeder Zellteilung stattfindenden Verkürzung unserer Chromosomenenden beruht und damit die zelluläre Lebensdauer von Neuronen verlängert wird. Unlängst wurde entdeckt, dass die Seifenstoffe des Wassernabelkrautes mit Hilfe unserer Mitochondrien eine Art „Selbstverdauung“ (Autophagie) von schadhaften Zellbereichen mit toxischen Stoffwechselendprodukten einleiten und damit die zelluläre Verjüngung ankurbeln.  
Wie kann man den Doldenblütler in einer Vorsorgetherapie sinnvoll nutzen?

Abb. oben: Die medikamentöse Hemmung des mTOR-Signalweges mit Steigerung der Autophagie zählt gegenwärtig zu den bedeutsamsten Zielen in der Altersforschung. Mit einer Tasse Wassernabeltee gelingt das auch ohne pharmazeutische Industrie, wobei man dabei auf das jahrtausendalte Konzept ayurvedischer Rasayanas zurückgreift. (Foto: ©Vogt)

Mittlerweile ist für eine Vielzahl von Pflanzen bekannt, dass sie zelluläre Differenzierungsprozesse in unserem Organismus wirkungsvoll manipulieren und damit auch auf Reparatur- und Neubildungsprozesse im höheren Alter positiven Einfluss nehmen können.
Für die in der asiatischen Medizin bei Schwäche im Bewegungsapparat als nährende „Ergänzungsarznei“ häufig genutzte Gummiulme (Eucommia ulmoides) konnte eine gesteigerte Ausschüttung von körpereigenen Wachstumsfaktoren für Knochen, Sehnen und Bänder nachgewiesen werden. Dabei führen Rinden-Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Lignane zu einer erhöhten Bildung von sog. knochenmorphogenetischen Proteinen, welche ruhende Vorläuferzellen zur Differenzierung in funktionstüchtige Stützzellen anregen. Im Unterschied zur einseitigen, die Knochenresorption hemmenden Antikörpertherapie bei Osteoporose, führt die Rindenarznei zur Verstärkung körpereigener, den Knochen aufbauenden Stoffwechselwege. Die von uns nur unzureichend verstandenen molekularbiologischen Prozesse werden in der chinesischen Phytotherapie seit rund 2000 Jahren in einem verständlichen Konzept genutzt: „Die Gummiulme nährt die Leber, um Sehnen und Bänder zu unterstützen, und tonisiert die Nieren, um die Knochen zu stärken.“ Damit ist alles Wichtige gesagt. Wie aber dosieren wir die Arznei und integrieren sie in ein sinnvolles Gesamtkonzept?

Abb. oben: Die gut verträgliche Gummiulme ermöglicht in Kombination mit anderen „Ergänzungsarzneien“ eine sinnvolle Vorsorgetherapie bei Osteopenie, Degeneration von Sehnen und Bändern oder Schwächegefühl im unteren Rücken durch Nieren-Yang-Mangel. (Foto: ©Vogt)

Funktioniert ein nachhaltiges „Biohacking“ nur mit exotischen Arzneipflanzen oder kann auch unsere heimische Flora sinnvoll genutzt werden? Für den Weißdorn konnte beispielsweise in der bekannten SPICE-Studie gezeigt werden, dass er abseits von kardiologischen Aspekten auch die Lebensqualität merklich verbessern konnte. Für eine Untergruppe von herzinsuffizienten Studienteilnehmern konnte auch eine geringe kardiale Sterblichkeit nachgewiesen werden, womit Weißdorn nicht nur die „Lifespan“, sondern auch die „Healthspan“ positiv beeinflussen kann.

Abb. oben: Nachdem kardiovaskuläre Erkrankungen die Sterblichkeitsrate weltweit anführen, sind „Herzschutzpflanzen“ bedeutungsvoll. Für den Weißdorn konnte nicht nur eine vielschichtige Kardioprotektion, sondern auch ein sichtbarer Einfluss auf die „Healthspan“ nachgewiesen werden.

Am Ende stehen für eine Reihe von typischen Beschwerden im Senium, wie z.B. multimodaler Altersschwindel, primäre Demenz, senile Makuladegeneration, Sehnenatrophie, Xerostomie, trockenes Augensyndrom, KHK oder venöse Insuffizienz ausreichend Arzneipflanzen mit historischer Anwendungserfahrung, pharmakologisch plausibler Wirkung und der Chance auf gesünderes Altern zur Verfügung.

Abb. oben: In der traditionell chinesischen Medizin gilt die präparierte Wurzel des Chinesischen Fingerhutes (Rehmannia glutinosa) zu den bedeutsamsten und universellsten Arzneien bei Mangelzuständen, da die Arznei neben dem Blut auch die Essenz (Jing) nährt. Zu den typischen Anwendungsgebieten im Alter zählen Schwindel, verschwommene Sicht, Tinnitus, Vergesslichkeit, vorzeitig ergrauendes Haar oder Anämie. (Foto: ©Vogt)

Seminarziele:

Im Seminar werden typische Beschwerdefelder des Alterns systematisch durchgenommen und pflanzengestützte Vorsorge- und Begleittherapien erarbeitet. Neben dem Angebot, die Wirkung von ausgewählten Arzneipflanzen auf Alterungsprozesse auch biologisch zu verstehen, liegt das Hauptziel der Veranstaltung in der therapeutischen Anwendung. Aus diesem Grund wird an Hand von Fallbeispielen auf Fragen zu Dosierung, Sicherheit und Kombinationsmöglichkeiten ausreichend eingegangen und wie immer zum gemeinsamen Rezeptieren eingeladen.

Leistungsumfang:

  • Interaktives Kleingruppenseminar
  • Zusammenführung von Tradition und Wissenschaft für die Phytopraxis
  • Anschauungsdrogen mit ausgewählten Teeverkostungen
  • Gemeinsames magistrales Rezeptieren
  • Umfangreiches Handout mit Beispielrezepturen

Anmeldung:

Veranstaltungsort:

Kirchenstraße 8, 9073 Köttmannsdorf,

Kärnten