[vc_row][vc_column][vc_column_text]Liebe Freunde der klösterlichen Medizin und der Wolfsmilchgewächse![/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=”2/3″][vc_column_text]Anlässlich der neuesten Ausgabe des Gesundheitsboten (Heft 6, 34) erlaube ich mir, als noch lebender Freund Hildegard von Bingens, eine notwendige Ergänzung zum Beitrag “Adventfasten nach Hildegard” zu machen. Da ich den unermüdlichen Fleiß der FNL-Mitglieder kenne und zu erwarten ist, dass die sogenannten “Ausleitungskekse” (Rezept S. 33) hoffnungsvoll nachgebacken werden, möchte ich falsche Illusionen zu deren Wirksamkeit nehmen:

Das eigentlich abführende Prinzip im Originalrezept nach Hildegard von Bingen ist nämlich eine “Schreibfeder voll” vom Saft der Wolfsmilch (Euphorbia sp.). Welche Wolfsmilchart nun Verwendung finden soll ist leider nicht überliefert. Von der Antike bis in die Renaissance spielten in der Volksheilkunde Europas vor allem die Zypressenwolfsmilch (E. cyparissias), die Gartenwolfsmilch (E. peplus), die Sumpfwolfsmilch (E. palustris) und die Kreuzblättrige Wolfsmilch (E. lathyris) eine gewisse Rolle als Abführ- und Brechmittel, seltener auch als äußerliches „Reizmittel“.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=”1/3″][vc_single_image image=”1241″ img_size=”400×487″ css=”.vc_custom_1458365415748{margin-bottom: 0px !important;border-bottom-width: 0px !important;}”][vc_custom_heading text=”Abb. oben: Blütenstand einer Mandelblättrigen Wolfsmilch – ein treuer Wegbegleiter im montanen Kalkbuchenwald (Foto: Vogt D.)
” font_container=”tag:h5|text_align:left” google_fonts=”font_family:Lora%3Aregular%2Citalic%2C700%2C700italic|font_style:400%20regular%3A400%3Anormal” css=”.vc_custom_1458366141609{margin-top: 0px !important;margin-bottom: 8px !important;border-top-width: 0px !important;}”][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Die anderen Zutaten des Kochrezeptes besitzen de facto kein relevantes „ausleitendes Prinzip“. Auch eine Stoffwechselmobilisierung nach Idee der Antidyskrasie im Sinne der Vier-Säfte-Lehre (Humoralpathologie) ist hier nicht zu erwarten. Im Ayurveda ist übrigens der Einsatz von Abführmitteln (Laxantien) eine gängige Methode der Ausleitung. Dieser nennt zwar eine leicht abführende Wirkung für Süßholz, die therapeutisch jedoch nicht im Vordergrund steht und bei normaler Dosierung auch keine praktische Rolle besitzt. Der wichtigste Autor und Interpret der alten H.v.B-Schriften, Dr. Gottfried Hertzka, gibt ca. 1 Gramm Latex, also Saft der Wolfsmilch für die Anwendung an. Für Hildegard war die Anweisung wichtig, dass der Teig mit dem Wolfsmilchsaft der Frühjahrssonne, am besten im April, spätestens aber im Mai, ausgesetzt wird, denn “dieses Sonnenlicht ist weder zu stark, noch zu schwach“. Wir sehen also, dass in dem gut gemeinten Rezept zwei wesentliche Komponenten fehlen, nämlich Wolfsmilch und die „rechte Sonne“. Letztere führt vielleicht über den UV-Anteil zu einer Abschwächung der Wolfsmilchtoxine und gemeinsam mit der Oxidation durch Luftsauerstoff zu mehr Unbedenklichkeit. In der Originalrezeptur ist auch das Rhizom der Zitwerwurz (Zedoariae rhizoma) ein wichtiger Bestandteil, welches in seiner Wirkung mit der Gelbwurz (Curcuma longa, Curcuma domestica) durchaus vergleichbar ist und ein sogenanntes Amarum acrium, d.h. ein „scharfes Bittermittel“ mit antioxidativem und cholagogem, d.h. galletreibenden Potential darstellt.[/vc_column_text][vc_column_text]Auch die Mengenangaben des Rezeptvorschlages liegen sehr weit vom Originalrezept entfernt und ich habe unten aus dem Originaltext die Mengenangaben im Gramm umgerechnet. Aus dieser Menge macht Hildegard gerade einmal 4 Kekse, die in der Sonne (s.o.) zu trocknen sind. Wer die Originalrezeptur anwendet, wird rasch merken, dass die Mischung von einem gewöhnlichen Keksteig weit abweicht. [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=”2/3″][vc_column_text]Rezept „Ingwer-Wolfsmilch-Ausleitungskekse“:

Rp.

[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=”1/3″][vc_single_image image=”1235″ img_size=”full” css=”.vc_custom_1458365749134{margin-bottom: 0px !important;border-bottom-width: 0px !important;}”][vc_custom_heading text=”Abb. oben: Die Zypressen-Wolfsmilch gilt in der Volksheilkunde nach wie vor als „Warzenkraut“ (Foto: Vogt D.)” font_container=”tag:h5|text_align:left” google_fonts=”font_family:Lora%3Aregular%2Citalic%2C700%2C700italic|font_style:400%20regular%3A400%3Anormal” css=”.vc_custom_1458366175848{margin-top: 0px !important;margin-bottom: 8px !important;border-top-width: 0px !important;}”][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Die Anwendung alter klösterlicher Rezepte benötigt Kenntnis über Nebenwirkungen und Gegenanzeigen pflanzlicher Inhaltsstoffe und oft ist der Abstand zwischen therapeutischem Nutzen und Schaden durch akute oder chronische Toxizität sehr klein. Für das „Transformieren“ alter Hildegard-Rezepte in die moderne Zeit bedarf es sehr viel Basiswissen über Heilpflanzenkunde, pharmakologische Grundkenntnisse und ein gehöriges Maß an Achtsamkeit. Die Adaptierung einer alten Anweisung an den heutigen Wissensstand hat aber dennoch nur dann einen Sinn, wenn man das “wirksame Prinzip” der Originalrezeptur versteht und durch Änderung nicht gänzlich zerstört. Die Verwendung von Wolfsmilchsaft ist aus Sicht einer um Unbedenklichkeit bemühten Phytotherapie heute obsolet und keine „Wildgemüseküche-Angelegenheit“ und ich darf zu angemessener Vorsicht raten und als „Ersatz“ eine homöopathische Zubereitung von z.B. Euphorbia lathyris (Kreuzblättrige Wolfsmilch) ab der Potenz D4 vorschlagen.

Mit Ausnahme der Wolfsmilch besitzen die pflanzlichen Rezeptbestandteile eine in Summe entzündungshemmende, antiallergische und eine die Verdauung anregende Wirkung. Die Menge von Ingwer im ursprünglichen Rezept liegt ca. das Doppelte über der empfohlenen Tagesdosis von ca. 4 Gramm.

Wer sich von der Wolfsmilch selbst im Schlaf nicht trennen möchte, dem empfehle ich den Kauf einer Naturkautschuk-Matratze, um auf dem berühmtesten Familienvertreter der Wolfsmilchgewächse, dem Kautschukbaum (Hevea brasiliensis), nebenwirkungsfrei liegen zu können. Ob diese auch gegen Albträume hilft, kann ich aber nicht versprechen.

Ich wünsche allen eine schöne Adventszeit!

Euer Phytagoras[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]