Wundersame Welt der Eisenbahnpflanzen

Blinden Passagieren auf der der Spur
Die wundersame Welt der "Eisenbahnpflanzen"

Exkursionsziel:

Wo trifft sich eine mediterrane Sanddünenpflanze mit einem südafrikanischen Tafelberggewächs und einer Heilpflanze der Kiowa-Indianer aus den Great Plains? Natürlich an der Bahn in Österreich! Pflanzen reisen mit der Zeit und sind vom „Klebenbleiben“ an Postkutschenrädern nach Vorbild des Spitzwegerichs schon längst auf effizientere Reisemittel umgestiegen.

Die Exkursion führt in die sonderbare Welt der Eisenbahnpflanzen und gibt Anlass für ökologische, floristische, arealkundliche und ethnobotanische Überlegungen. Vom Bahnhof Töschling in Richtung Velden fragen wir hemerochore Arten nach gültigem Fahrschein und Reiseziel.

Leistungen:

* Geführte Exkursion in Kleingruppe
* Botanische, ökologische, arealkundliche und ethnopharmakologische Pflanzenbetrachtung hemerochorer Arten
* Auf Wunsch Bestimmung ausgewählter „Eisenbahnpflanzen“ mit der Exkursionsflora von Österreich
* Diskussion über Neophyten
* Leihlupen bei Bedarf

„Fahrkartenkontrolle“ in Vorschau:

Der meist trocken-heiße und nährstoffarme Bahndamm ist keinesfalls eine unbelebte Steinwüste, sondern liefert konkurrenzschwachen Pflanzen sowie Neuankömmlingen aus verschiedenen Ländern und Vegetationszonen der Erde ein Refugium. Dabei kämpfen „Eisenbahnpflanzen“ mit verschiedenen Tricks um jeden Tropfen Wasser und um jeden Gramm Humus, so dass am Ende eine nachvollziehbare „Landeinnahme“ vom groben Gleisschotter bis zu kiesig-sandigen Randbereichen erfolgt.

Abb. oben: Wie kann der verhältnismäßig zartblättrige „Nüssli-Salat“ im heiß-trockenen Bahnschotter überleben? Für das mit dem Baldrian verwandte Geißblattgewächs ist das richtige „Timing“ entscheidend. So heißt es sehr früh (im Jahr) aufzustehen! (Foto: ©Vogt)

Während „Klaffnase“ und Quendel-Sandkraut auf die Zusammenarbeit mit Ameisen setzen, wartet der „Sparrige Hansel“ geduldig auf die Natternkopf-Mauerbiene. Die Rauhaar-Wicke hält sich lieber spezielle Bodenbakterien als Haustiere, während die Rauhaar-Segge ihr Glück mit der „Pilzzucht“ versucht. An anderer Stelle wächst eine echte Liane mit einem Hundsgiftgewächs über den Bahnschotter um die Wette und der zarte „Nüssli-Salat“ hat einen cleveren Zeitplan entwickelt, um sich weder mit den beiden „groben Jungs“ noch mit der Sommersonne anlegen zu müssen.

Abb. oben: Zu Unrecht für ein normales „Ruprechtskraut“ gehalten. Der mediterran-westasiatisch verbreitete Purpur-Storchschnabel (Geranium purpureum) ist entlang der Gleise stark auf Überholspur. (Foto: ©Vogt)

Die Exkursion richtet sich an alle, die ein Auge für das Unscheinbare und Kleine besitzen und gerne auch einmal die Lupe ziehen, die eine Abwechslung zu „Orchideenwiesen“ suchen und eine interdisziplinäre Pflanzenbetrachtung schätzen.

Abb. oben: Der in Österreich seltene und gefährdete Finger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites) findet als anspruchslose Pionierpflanze entlang der Gleise einen passenden Lebensraum. Bis heute ist ungeklärt, ob der „Schnellstarter“ im Frühjahr ab und zu eine Fliege verspeist. (Foto: ©Vogt)

Planung und Durchführung:

Die rund 4 Stunden lange Exkursion startet am Bahnhof Töschling in Richtung Velden und führt entlang des bahnbegleitenden Radweges bis zum Schaukraftwerk Kelag, wo der offizielle Teil endet und auch eine Einkehrmöglichkeit besteht. (Unterwegs gibt es eine öffentliche Toilette beim Gemeindebad Töschling.) Der Rückweg kann eigenständig angetreten werden oder in meiner Begleitung zur Wiederholung des Gesehenen und etwaigen Diskussionen (z.B. Neophyten) genutzt werden. Bei schönem Wetter lädt das frei zugängliche Gemeindebad Töschling am Rückweg zu einer Erfrischung im Wörthersee ein. Leihlupen können zur Verfügung gestellt werden.

COVID-19-spezifische Vorsichtsmaßnahmen:

Grund gesetzlicher Vorgabe ersuche ich um das Mitführen eines Nasen- und Mundschutzes, der allerdings erst bei Unterschreitung der vorgeschriebenen Distanz (letzte Mitteilung für Berg- u. Wanderführer: <2m) angelegt werden muss. Weiters verweise ich auf einen gesetzlichen Erlass bezüglich der möglichen Aufhebung des Mund- u. Nasenschutzes bei Vorliegen von Atemnot, Bronchialasthma und anderen nicht infektiös-respiratorischen Erkrankungen, aber auch Angstzuständen bzw. anderen psychophysisch unzumutbaren Gründen, die entweder durch ein ärztliches Attest oder anders glaubhaft gemacht werden können. Eine Teilnahme bei Vorliegen eines nicht ärztlich abgeklärten Atemweginfektes oder eines schlechten Allgemeinzustandes ist allerdings ausgeschlossen. Zum psychophysischen Wohlbefinden und zur Risikominimierung für alle TeilnehmerInnen erlaube ich mir zu Exkursionsbeginn eine Handdesinfektion für alle durchzuführen, um Lupenaustausch und etwaige Weiterreichung von Pflanzenmaterial so gefahrenlos als möglich zu gestalten. Da jeder einen anderen Zugang zu diesem sensiblen, kontrovers diskutierten und strapazierten Thema haben darf, bitte ich um stillen Respekt gegenüber etwaigen Verhaltensmaßnahmen und ersuche um keine ungebührende Thematisierung. Im Mittelpunkt des Treffens sollen unsere Pflanzen stehen.