Ethnobotanische Wandertage

Ethnobotanische Wandertage "Karawankenflora"

Über Stoawurz & Zandelkraut in den südlichen Kalkalpen

Motivation:

Authentische Ethnobotanik beginnt im Gelände, wo man Pflanzen angreifen, riechen, schmecken und mit „Haut und Haar“ erfassen kann. Im Vergleich zu Arten der Ebenen- und Hügelstufe werden Gebirgspflanzen wesentlich schlechter durch Volksheilkunde und Forschung beleuchtet und liefern ein besonders reizvolles Feld für die botanische, pharmakologische, historische und mystische Pflanzenbetrachtung.

Abb. oben: Im Bergwald findet man noch verhältnismäßig viele ethnobotanisch genutzte Pflanzen wie z.B. saponinhaltige Weißwurz-Arten, die in der indischen Erfahrungsheilkunde als nährende Tonika genutzt werden. Versteckt sich im "Salomonssiegel" vielleicht auch die sagenumwobene "Springwurz" zum Auffinden von Schätzen?

Natürlich muss man schon den einen oder anderen „Spagat“ wagen und Querverbindungen zur verwandten, in anderen Kulturkreisen genutzten Pflanzenarten ziehen oder sich an Hand rarer chemischer Daten weiter tasten, wenn man sich im Gebirge auf die Spurensuche begibt. Und das noch alles samt Bergschuhen und Rucksack! Doch selbst wenn man gar nichts in den Händen hält und „nur“ staunend nach dem Namen der Alpenpflanze fragt, schaffen wir wieder eine Beziehung zur alpinen Vegetation und vielleicht die Basis für neue „Pflanzengeschichten“.

Abb. oben: Unserer Volksheilkunde vollkommen in Vergessnheit geraten ist der "Gaizvenischel", den schon Karl der Große im 9. Jhd. gegen Verdauungsbeschwerden propagierte und noch Samuel Hahnemann bekannt war. Für einen seinen Hauptinhaltsstoffe liegt ein experimenteller Wirksamkeitsnachweis gegen Colitis ulcerosa vor. (Foto: Vogt)

Trotz dem heute reichen Angebot an „Kräuterausbildungen“ geht die Nähe zu Gebirgspflanzen immer mehr verloren und nur selten reicht die Artkenntnis über die Hügelstufe oder den eigenen Gartenzaun hinaus. Längst vergessen sind „Weißer Enzian“, „Schmettenwurz“ „Gaizvenichel“ oder die „Stoawurz“. Doch die Mehrzahl heimischer Gebirgspflanzen wurde von der alpenländischen Kulturgeschichte noch immer nicht gestreift! Wir haben nicht nur vieles vergessen, sondern das meiste gar nie gewusst. Das wird auch weiterhin so bleiben, wenn wir nicht unsere Bergschuhe anschnallen, hinauf steigen und über die Pflanzenwelt staunen …

Abb. oben: Was fruchtet hier? Eine sehr nahe Verwandte dieser Art wurde einst aus Pakistan über die Seidenstraße als "Königswurz" zur Gewinnung von Kostusöl importiert. Welche Kräfte wird dieser Korbblütler wohl haben? (Foto: Vogt)

Den speziellen Reiz sich mit Gebirgspflanzen zu befassen liefern mitunter ein manchmal beschwerlicher Zustieg, das oft seltene Vorkommen und natürlich die wunderbare Gebirgskulisse. Wer seinen Kopf gerne über die Bergwaldstufe hinausstreckt und auch vor dem allerkleinsten Pflanzenwinzling manchmal ehrfürchtig in die Knie geht, wird auf den drei Wandertagen jede Menge zu entdecken haben!

Abb. oben: Diese gut an Kalkschuttfluren angepasste Pflanze war in der Viehheilkunde Norditaliens einst gut bekannt. Sie enthält ein interessantes Spektrum an Inhaltsstoffen, darunter auch das für die afrikanische Teufelskralle bekannte Harpagosid mit entzündungshemmender Wirkung. Welche Ersatzpflanzen verbirgt unsere Gebirgsflora? (Abb. Vogt)

Leistungsumfang:

  • Drei geführte Touren zwischen je 500 und max. 900 Höhenmetern.
  • Exklusives Kennenlernen der Karawankenflora von der Bergwald- bis in die Alpinstufe in einer Kleingruppe (9 Personen).
  • Botanische, ethnobotanische und pharmazeutisch-wissenschaftliche Pflanzenbetrachtungen.
  • 1 Ethnobotanik-Workshop (Abendprogramm).
  • Möglichkeit zur professionellen Nachbestimmung von Pflanzen am Abend (Österr. Exkursionsflora, Binokular, individuelle Hilfestellung).
  • Ausgewählte Karawankenkräuter als Frühstückstee.
  • Unterkunft im idyllischen Bodental in Einzelzimmern (Nächtigung, Verpflegung u. Transport nicht im Führungsbeitrag inkludiert).

Beschreibung:

In drei geführten Tageswanderungen zwischen 500 und 900 Höhenmetern werden Pflanzen von der Bergwald- bis in die Alpinstufe botanisch, historisch, volksheilkundlich und pharmakologisch-medizinisch beleuchtet. An zwei Tagen wird eine bewirtschaftete Hütte mit Verköstigungsmöglichkeit erreicht. Das Abendessen wird bei der Rückfahrt zum Quartier in einem von drei verfügbaren Gasthäusern eingenommen. In der Unterkunft gibt es Gelegenheit zur Tagesreflexion, dem Nachbestimmen gefundener Pflanzenarten, der Teilnahme an einem ethnobotanischen Workshop, dem Kennenlernen von Fachliteratur und dem gemütlichen Erfahrungsaustausch.

Abb. oben: Junge Triebe dieses Korbblütlers gelten in Italien als Spezialität in Feinschmeckerlokalen. Ähnlich wie bei der Artischocke, könnte von den bitteren Sesquiterpenlactonen eine "leberschützende" Wirkung ausgehen. (Foto: Vogt)

Teilnahmevoraussetzung:

Trittsicherheit (mit einem gewissen Maß an Schwindelfreiheit) auf markierten Wegen und Steigen, Kondition für bis zu 900 Höhenmeter, Freude am Gehen und Botanisieren. Es besteht die Pflicht zu festem Schuhwerk und dem Mitführen einer üblichen Bergausrüstung (Regenjacke, Sonnenschutz, etc.). Ein gültiger Reisepass muss ebenfalls mitgenommen werden. Leihlupen sind vorhanden.