UNESCO-Zertifikatslehrgang

"Volksheilkundlicher Kräuterkurs nach Ignaz Schlifni" der FNL-Kräuterakademie

„Altes Heilpflanzenwissen schafft regionale Identität und Beziehung zum Lebensraum. In der Volksheilkunde wird die Pflanze zum Schlüssel unserer Kulturgeschichte.“ (Phytagoras)

Motivation und Ziel des Diplomlehrganges

Einst wussten unsere Bergbauern um die milchflussfördernde Wirkung der „Schmettenwurz“ (Alpen-Milchlattich), nutzten die Früchte des Myrrhenkerbels (Süßdolde) zum Aromatisieren von Speisen und kannten die krampflösende Wirkung der Steinraute (Clavenas Schafgarbe) bei Magen-Darm-Beschwerden. In vielen Fällen besaßen Heilpflanzen neben der medizinischen Nutzung auch eine Bedeutung im Brauchtum. Zum Erbitten eines guten Erntejahres wurde der aus Beifuß geflochtene Sonnwendgürtel im Johannisfeuer verbrannt oder Arnika an die Feldränder gesteckt, um den Korndämon mit seinen Unwettern fernzuhalten. Man nutzte die Früchte des Kreuzdorns ganz im Sinne der modernen Pflanzenmedizin gegen Obstipation, während seine Zweige in der Walpurgisnacht vor die Fenster gehängt wurden, um als antimagischer „Hexendorn“ das Nachtvolk abzuwehren. Eine Vielzahl der rund 2100 Pflanzenarten in Kärnten besitzt eine Bedeutung in unserer Kulturgeschichte und spielt eine Rolle in der alpenländischen Volksheilkunde. Trotz wachsendem Interesse für Naturheilkunde und Rückbesinnung auf unsere Wurzeln schwindet das Wissen um die Nutzung von Pflanzen. Die Ausbildung zum diplomierten Kräuterexperten nach Ignaz Schlifni ermöglicht wieder Anschluss an altes Kultur- und Heilpflanzenwissen zu finden.

Dauer der Ausbildung

Der „Volksheilkundliche Kräuterkurs nach Ignaz Schlifni“ umfasst regulär 200 Unterrichtseinheiten zu je 50 Minuten. In meinem Lehrgang werden weitere 20 UE kostenfrei integriert, um auch auf Aspekte der modernen Phytotherapie (z.B. Dosierungsempfehlungen, ESCOP-Monographien, Therapieschemata, etc.) eingehen zu können. Die Ausbildung erstreckt sich über zwei Vegetationsperioden, um der Pflanze zu verschiedenen Aspekten (Frühjahr, Sommer, Herbst) mehrfach zu begegnen.

Inhalte der Ausbildung

Artkenntnis und botanisches Grundwissen liefern den notwendigen Boden für die Pflanzenbegegnung. Erst darauf können Vegetationskunde, Ökologie, Pflanzenphysiologie, Mythologie, Brauchtum, Erfahrungsheilkunde und moderne Pflanzenmedizin aufbauen. Folgende Ausbildungsinhalte der FNL-Kräuterakademie werden wahrgenommen:

1) Botanik der Heilpflanzen
Kennenlernen von mind. 400 heimischen Pflanzenarten in ihrer Biologie (Bau und Funktion, Verwandtschaft, etc.) und volksheilkundlichen Anwendung.

2) Ökologie und funktionelle Betrachtung
Der Bogen reicht vom Grund- und Sekundärstoffwechsel der Pflanze (Fotosynthese, sekundäre Inhaltsstoffe, „Phytamine“, etc.) bis hin zu Aspekten der Vegetationskunde, der Arealkunde und des Naturschutzes.

3) Volksheilkunde
Die traditionelle Verwendung von heimischen Pflanzen und ihrer Organe wird von der Ernte bis hin zur häuslichen Verarbeitung gelehrt und in Praxiseinheiten umgesetzt.

4) Naturhausmittel
Kennenlernen pflanzlicher Darreichungen wie Tee, Dekokt, alkoholische u. fette Auszüge, Medizinalweine, Elixiere, halbfeste Zubereitungen, Gemmo-Präparate und Homöopathika aus der „Grünen Apotheke“ und der Wildgemüseküche.

6) Aspekte der Humanbiologie
Vermittlung grundlegender Kenntnisse des menschlichen Körpers, um Wirkorte und Anwendungsgebiete traditioneller Pflanzenzubereitungen besser zu verstehen.

7) Soziale u. technische Kompetenz
Durch das Anlegen eines Herbars, die Ausarbeitung und Präsentation einer Pflanzenmonographie sowie einer exemplarischen Pflanzenführung erhalten die Teilnehmer weitere „Soft Skills“ in der Heilpflanzenkunde.


8) Referentenspezifische Erweiterung: Moderne Phytotherapie
In Ergänzung zu den verbindlichen Lehrgangsinhalten biete ich Grund meiner Ausbildung zum Phytopraktiker weitere 20 UE moderne Heilpflanzenkunde an. Dadurch haben wir im laufenden Kurs die Möglichkeit für eine vertiefende Pflanzenbetrachtung ausgewählter Arten und können auf moderne Pflanzenmonographien eingehen.

Eine ausführliche Beschreibung können Sie auf der Homesite der FNL-Kräuterakademie finden.

Wie werde ich FNL-Kräuterexperte/In?

Jeder Kursteilnehmer hat bei Erfüllung einer Anwesenheitspflicht von 75% und Anmeldung bis März des 2. Kursjahres die Möglichkeit die Prüfung zum/zur zertifizierten FNL-Kräuterexperten/In in St. Georgen am Längsee (Kärnten) Ende August abzulegen. Für die Organisation und Abwicklung der Prüfung sind € 60,– an den FNL-Verein zu leisten. Der positive Prüfungsausgang führt zur Verleihung des Zertifikates „FNL-Kräuterexperte/FNL-Kräuterexpertin“ und berechtigt das zugehörige Logo zu verwenden. Unter der Vielzahl außeruniversitärer Ausbildungen gilt das FNL-Zertifikat auf Grund der Ausbildungsdauer, dem umfangreichen Lehrplan und der Referentenkompetenz mittlerweile zu einem wegweisenden Standard im Bereich der Heilpflanzenkunde in Österreich, Italien und Deustchland. Ohne Prüfung wird ein Kursnachweis der FNL-Kräuterakademie ausgestellt.

Ausbildungskosten und Anmeldung

Die Ausbildungskosten betragen € 1.527.- und inkludieren 220 Unterrichtseinheiten, die FNL-Kursbegleitmappe, den FNL-Prüfungskatalog, das Lexikon „Schlag nach über Heilpflanzen“ nach Ignaz Schlifni sowie die Jahresmitgliedschaft für das 1. Kursjahr inklusive Zustellung der Vereinszeitschrift „FNL Gesundheitsbote“. Bei bestehender FNL-Mitgliedschaft verringern sich die Kosten um € 32.- (=Jahresmitgliedschaft für Österreich). Die Prüfungsgebühr von € 60,- wird erst im Falle einer Prüfungsanmeldung im 2. Kursjahr in Rechnung gestellt. Die Sicherung eines Kursplatzes erfordert neben einer verbindlichen Kursbuchung bei Phytagoras auch das Zusenden des FNL-Anmeldeformulars und eine Anzahlung von € 127,- (€ 95,- für bestehende Mitglieder) an den FNL-Verein.