Die Black Box und ihre Rheumapflanzen

„Herbal Induced Movement“ als antirheumatische Basistherapie?

Niemand hört gerne, dass man selber schuld ist. Dass gilt besonders für ernährungsbedingte Stoffwechselerkrankungen mit einer notwendigen Änderung seines Lebensstiels, denn bekanntlich sind Kaiser und Könige auch leichter zu stürzen, als lange „einstudierte“ (Ess-)Gewohnheiten. Paradoxerweise hört gerade der adipöse Rheumatiker seinen Arzt viel lieber von „positiver Familiengeschichte“, „idiopathischem Verlauf“ und „autoimmunologischen Prozessen unklarer Genese“ sprechen, und so wird, in beidseitig stummer Vereinbarung, eine selbst aktiv durchzuführende Ernährungsumstellung möglichst nicht thematisiert. Weitaus praktischer ist es nämlich, nun vor allem für die Industrie, dem Trend einer durch Heilmittel „einzuverleibenden“ Gesundheit zu folgen, um vor allem eines ja nicht ändern zu müssen: Seinen Lebensstil. Das führt uns aus dem Dschungel eines lukrativen Nahrungsergänzungsmittelgeschäftes bis hin zur Wunderwaffe Cortison.

Therapeutisches Gold?

In der Fachlektüre der modernen Rheumatologie sind die Begriffe „Stoffwechsel“ und „Ernährung“ praktisch verschwunden. Das erstaunt auch wenig, denn an die Stelle eines unliebsamen, weil letztlich vor allem selber und nur auf längere Sicht beeinflussbaren „Wolkenkratzers“ hat man einen Bunker mit der Aufschrift „Immunsystem“ errichtet. In diesem lässt sich alles deponieren und bequem verbergen. Vor allem das, was man nur halb versteht oder auch nicht hören möchte.

Abb. oben: Der Löwenzahn als antidyskratische Musterpflanze vor der Haustüre. Welcher Rheumatologe setzt ihn heute ein? (Foto: Vogt D.)

In der aktuellen Nachricht einer österr. Managementgesellschaft für Gesundheit und Betreibers von Privatkliniken kann der Leser erfahren, wie „skurril und unappetitlich“ die Behandlungsmethoden bei rheumatischen Beschwerden in der Medizingeschichte einmal waren, dass ab 1949 die „segensreiche Wirkung von Cortison entdeckt wurde“ und mit der späterer Einführung künstlicher Antikörper (1994) ein „goldenes Zeitalter begonnen hätte“. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, denn im Falle einer temporären Überreaktion unseres Immunsystems (z.B. Anaphylaxie), Initialphase eines Hörsturzes oder überall dort, wo ein „raumfordernder Prozess“ (Entzündung) auf Grund möglich irreversibler Sekundärschäden rasch eingebremst werden muss, ist die Verabreichung von Cortison sinnvoll. Jedoch benutzt die moderne Rheumatologie in vielen Fällen die „Cortisonbremse“ in der Langzeittherapie und gemeinsam mit künstlichen Antikörpern wird das Immunsystem dermaßen manipuliert, dass autoregulatorische Vorgänge unterdrückt werden. Eine sinnvolle Begleittherapie mit Pflanzen wird Grund mangelnder Kenntnis meistens belächelt. Das Einbringen von pflanzlichen und regulatorisch wirksamen Vielstoffsystemen in ein künstlich „gebremstes“ System ist dann wenig erfolgversprechend und die Chance auf Neu- und Umorientierung gering.

Fehlende Neubewertung alter Therapieansätze

Die Verfasserin des Fachbeitrages, eine ausgebildete Rheumatologin, „entsorgt“ gleich zu Beginn die Abführmittel aus dem düsteren Antiquariat einer überholten Medizin. Doch ist so eine pauschale Entrümpelung für hunderte Spielformen rheumatischer Erkrankungen sinnvoll und zweckdienlich? Nun gibt es pflanzliche Laxantien, die gerade bei einem durch synthetische Abführmittel geschädigtem Kolon zur „Darmerziehung“ und Stimulation des enterischen Nervensystems sinnvoll zum Einsatz kommen können. Eben diese milden Purgativa (z.B. Faulbaumrinde, Medizinalrhabarber) stehen auch zu Therapiebeginn einer den Mensch als System erfassenden Rheumatologie mit auf der Teerezeptur für eine sog. antidyskratische Stoßtherapie.  Der gute Therapeut wird an Hand der vorliegenden Konstitution und den Beschwerden die „abführende Komponente“ ganz individuell auf Darm, Nieren, Haut und Leber „verteilen“, also laxierende, harntreibende, schweißtreibende und gallenflussanregende Pflanzendrogen sinnvoll kombinieren.  Trotz der Vielzahl antidyskratischer Teerezepturen kann man stets ein einheitliches Grundprinzip mit der jeweiligen Schwerpunktsetzung des Therapeuten ablesen. Eine solche „Impulstherapie“ versucht jene vernachlässigte und schwer greifbare „Black Box“ der Medizin zu erreichen, die wir das Bindegewebe bezeichnen und über unsere Ausscheidungsorgane zu einer Richtungsänderung von Stoffwechselvorgängen „angestoßen“ werden soll. Dass dieser Ansatz weder antiquiert, noch esoterisch ist, zeigt uns nicht nur die Erfahrungsheilkunde, sondern z.B. auch klinische Studien mit dem Löwenzahn, einer anerkannt antirheumatischen Pflanze der modernen Phytotherapie, wo der Zusammenhang zwischen den Organen Leber, Niere und Haut empirisch evident ist.

Der Löwenzahn als antidyskratisches Vorzeigemodell

Die primär harntreibend (aquaretisch) und gallenflussfördernd (cholagog) wirkende „Butterblume“ hat unlängst ein klinisch „positives Zeugnis“ für eine Erkrankungen bzw. Stoffwechselstörung der Talgdrüsen erhalten. Hat unsere Haut am Ende tatsächlich etwas mit Leber und Nieren zu schaffen und kann eine „Behandlung“ beider letzteren sich wundersam auf der Hautebene manifestieren?  In einer kybernetisch denkenden und daher der menschlichen Physiologie gerecht werdenden Medizin selbstverständlich schon. Doch wer steht hier zwischen den Organen? Wer verbindet alles lückenlos als gigantisches Zellnetzwerk miteinander und steht überall und jederzeit „dazwischen“? Es ist ein „Kind“ des sog. Mesenchyms, des (griech.) „Mittenhineingegossenen“, und findet als uns bekanntes Bindegewebe kaum Beachtung in der modernen Rheumatherapie. Wie die Allerweltspflanze den Hautstoffwechsel im Falle von Sebostase im Detail „anzukurbeln“ vermag, ob es Sesquiterpenen oder Phytosterolen stofflich zuzuschreiben ist, ob der „mesenchymale Zug“ mehr über die Nieren oder über die Leber ausgeübt wird, ist für die Therapie unerheblich.

Bei praktisch allen antirheumatisch wirksamen Pflanzen kann neben einem mehr oder weniger stark ausgeprägt entzündungshemmendem Potential auch eine „mobilisierende Komponente“ mit Bindegewebsbezug entdeckt werden. Diese hat z.B. dem Löwenzahn den volkstümlichen Beinamen „Bettseiher“ eingebracht und verweist ganz unverblümt auf eine Mobilisierung über die Nierenachse und eben weiter … Darüber hinaus gilt der Löwenzahn als so stark cholagog, also sinngemäß „gallebewegend“, dass Gallenwegsverschlüsse immerhin als Kontraindikation gesehen werden. Ich möchte hier die pharmakologische Summenwirkung des Löwenzahns auf das Wort „bewegend“ reduzieren und diese Eigenschaft zum „antirheumatisches Grundprinzip“ machen.  Der Ayurveda sieht im Bettseiher und seinem asiatischen „Spiegelbild“, der Eclipta alba L., übrigens seit tausenden von Jahren ein sog. Umstimmungsmittel mit einem besonderen Bezug zum Hautstoffwechsel.

Schon lange ist bekannt, dass die Wirkung von bei Harnwegsinfekten zur Durchspülungstherapie verwendeten Pflanzen, wie z.B. Goldrute, Birke oder Wacholder, nicht erst im tubulären System der Nieren, sondern wesentlich „tiefer unten“ beginnt. So wurden aus zunächst „bloßen“ Aquaretika die „Blutreinigungsmittel“ der Erfahrungsheilkunde und auch der „Vater der evidenzbasierten Phytotherapie“, Fritz Weiß, hat in seinen Ausführungen darauf hingewiesen, dass die Wirkung aquaretischer Pflanzen vielfach, mit oder ohne Verschiebung des Elektrolythaushaltes,  weit über den Effekt einer bloßen Durchspülung hinausragt.

Einen besonders offensichtlichen und beeindruckenden Zusammenhang zwischen Haut und Gelenken führt uns übrigens die „Schuppenflechten-Arthritis“ (Psoriasis-Arthritis) vor. Auch hier sollte sich eine pflanzliche Begleittherapie auf das Bindegewebe (mit)konzentrieren.

Abb. oben: Die Echte Goldrute (Solidago virgaurea) besitzt ein „klinisches Zeugnis“ für die antirheumatische Begleittherapie und entlastet über die Nierenachse (Foto: Vogt D.)
Abb. oben: Der Wacholder (Juniperus communis) gilt in der Erfahrungsheilkunde als Antirheumatikum und wird auch äußerlich als durchblutungsfördernder Wacholderspiritus verwendet. (Foto: Vogt D.)

„Blutreinigung“ neu verstehen lernen

In dem von Galen (Galenius v. Pergamon, 2. Jhd. n. Chr.) weiter entwickelten, antiken Konzept der Vier-Säfte- und Temperamentenlehre wird Krankheit als Dyskrasie, also einem Ungleichgewicht der vier Körpersäfte Schleim, Gelbe Galle, Schwarze Galle und Blut gesehen und führte zum methodischen Ansatz der Anti-Dyskrasie, also dem Versuch die humorale Balance wieder herzustellen. Die Wurzeln der heute gerne belächelten „Blutreinigung“ entspringen diesem Konzept und fielen im Mittelalter auf kreative (und teilweise nicht unbedenkliche) Böden der klösterlichen Medizin. Wir dürfen das auf ersten Blick antiquiert anmutende Modell einer unzureichend verstandenen Antidyskrasie und „Blutreinigung“ im Falle rheumatischer Beschwerden aber nicht verwerfen, sondern besser noch ganzheitlicher, nämlich auf der Ebene des Bindegewebes und seinem Stoffwechsel neu entdecken.

Heute kennt jeder Arzt den Einsatz von Brennnessel und Birke im Rahmen einer Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Weitaus weniger bekannt ist aber deren positives Zeugnis zur Begleitung rheumatischer Erkrankungen – ausgestellt durch die Expertenkommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes. Dem Expertenurteil ist natürlich nicht zu entnehmen, von welcher Ebene des Körpers dieser „antirheumatische Effekt“ getragen wird. Eines sollte man sich klar machen: Nur durch ein vermehrtes Harnlassen (durch Änderung der glomerulären Filtrationsrate und Beeinflussung von Transmembranproteinen im tubulären System der Nieren) wird sich kein tragender „antirheumatischer Effekt“ ergeben. Die eigentliche Wirkung der einst verstandenen „Blutreinigung“ liegt demnach woanders, nämlich im Binde- und Stützgewebe.

Bis heute kann niemand erklären, wie z.B. der Ackerschachtelhalm den Harnsäurespiegel über seinen harntreibenden Effekt hinaus zu senken vermag und so die „Podagra“ (Gicht) sinnvoll begleiten kann. Hier darf vielleicht ein „metabolischer Druck“ der amorphen Kieselsäure auf den „Silizium-Pool“ des Bindegewebes mit seinen Ablagerungen vermutet werden. „Falsch geparkte“ Stoffe (z.B. Harnsäure) könnten dadurch mobilisiert und danach über die Nieren – angeregt durch ebenfalls im „Zinnkraut“ vorkommende Bioflavonoide – ausgeschieden werden. Auch im Falle des Indischen Katzenbartes (Orthosiphon spicatus) ist unklar, wie es zu einer erhöhten Ausscheidung stickstoffhaltiger Substanzen aus dem Blut kommt, aber der Effekt geht auch hier über die eher mäßig aquaretische Wirkung wieder hinaus.

„Herbal Induced Movement“ in der Phytotherapie

Die Wirkung praktisch aller pflanzlichen Antirheumatika ist die dem Cortison grundsätzlich gegenläufig, da körpereigene Prozesse nicht eingebremst, sondern eher beschleunigt oder zu einem Richtungswechsel bewegt werden sollen. Selbst die vornehmlich analgetisch wirksame Rindendroge von Weide und Pappel besitzt eine diaphoretische (schweißtreibende) und entwässernde Komponente. Der schmerzlindernde Effekt kann hier durch Kombination mit zusätzlich „mobilisierend“ wirkender Goldrute (>Saponine, >Flavonoide) und Esche (>Hydroxycumarine) überadditiv gesteigert werden, wie uns das Präparat „Phytodolor“ gut vorführt.

Als Ausreißer könnte auf ersten Blick die afrikanische Teufelskralle gelten, die beide „Hauptwege“ entzündlicher Prozesse zu beeinflussen vermag, allerdings führt sie als Bitterstoffdroge gleichzeitig zu einem „bewegenden Effekt“ im Verdauungssystem (z.B. sekretomotorische Wirkung über den 10. Hirnnerven), der von den Einheimischen Namibias genutzt wird. Auch perkutane, also über die Haut wirksame Antirheumatika entfalten ihre Wirkung nicht durch alleiniges „Bremsen“ inflammatorischer Prozesse, sondern besitzen wie Arnika, Beinwell, Steinklee, Heublumen oder Esche eine zusätzlich „bewegende“ und daher „ableitende“ Komponente“. Diese reicht vom lokal hyperämisierenden Effekt ätherischer Öle bis zur lymphokinetischen und zirkulationsfördernden Wirkung von Cumarinen oder Saponinen. Es ist offenbar das „bewegende Prinzip“, dass dem Rheumatiker nützt und auch auf „höherer Ebene“, im Falle einer Physiotherapie, noch gilt.

Abb. oben: Die Brennnessel hat dem Rheumatiker gleich 4 Mal ein "a" zu bieten: Sie wirkt aquaretisch, antidyskratisch, antiarthritisch und antiphlogistisch. Daraus ergibt sich ein großes "A" für Antirheumatikum. Jeder kennt sie, außer vielen Rheumatikern und Rheumatologen. (Foto: Vogt D.)

„Bei praktisch allen antirheumatisch wirksamen Pflanzen kann eine mobilisierende Komponente im Hintergrund entdeckt werden“.

Rheumatherapie ohne Bindegewebe?

Noch immer wird die Rolle des Bindegewebes und seine mögliche Stoffwechselschieflage in der Pathogenese und Therapie rheumatischer Erkrankungen unterschätzt und die enge Verzahnung zu Stützapparat und Immunsystem übersehen. Dabei hat die Forschung das zelluläre Meganetzwerk längst vom Image eines zwischen den Organen schlummernden „Lückenfüllers“ befreit. So konnten der einstigen „Gewebeattrappe“ erstaunliche Aufgaben im Bereich von Stoffwechsel, Kommunikation und Immunantwort zugeordnet werden. Das gesamte Konzept von Akupunktur, Akupressur, Neuraltherapie, Reflexmedizin etc. wäre ohne dem „Mittenhineingegossenen“ jedenfalls bodenlos, welches die nervösen und humoralen „Messenger Systeme“ versorgt und trägt. So erstaunt es, dass „Bindegewebserkrankungen“, „Stoffwechselerkrankungen“ und „rheumatische Erkrankungen“ sowohl in der Klassifizierung, als auch in der Behandlung säuberlich getrennt werden. Als einzige Ausnahme darf die Gicht gelten, denn hier verbindet bekanntlich die Harnsäure das eine mit dem anderen ganz offensichtlich. Sonst darf man in Beiträgen zur modernen Rheumatologie die Begriffe „Ernährung“ und Entlastung im „Bindegewebe“ meist vergeblich suchen. Man verweist lieber darauf, dass uns die Archäologen bereits vor der Wohlstandszeit rheumatisch deformierte Knochen ausgegraben haben und zitiert auch gerne Fälle von idiopathischen „Kinderrheuma“ (JIA), um vom (möglichen) Bezug zu Metabolischen Syndrom, Adipositas und weiteren, durch falschen Lebensstil mit verursachten Erkrankungen abzulenken.

Abb. oben: Im Löwenzahn steckt mehr als man denkt! Das regulatorische Vielstoffsystem "Pflanze" wirkt aber meist ausgleichend und nicht so umwerfend. (Graphik: Ziegenfuss A. für Phytagoras)

Antidyskratische Teemischung


Rp.
Taraxaci radix. c. herba (Löwenzahnwurzel und Kraut)
Juniperi fructus contusa (Wacholderfrüchte)
Frangulae Cortex (Faulbaumrinde)
Sennae folium (Sennesblätter)
Foeniculi frutus (Fenchelfrüchte)
M.f.spec.D.S.: 1-2 EL mit 500 ml kochendem Wasser übergießen, 10-15 Minuten mit Deckel ziehen lassen, abseihen, morgens und abends 1 Tasse trinken.

Abb. oben: In der Beispielrezeptur der antidyskratischen Teemischung findet sich das aquaretische (Löwenzahn, Wacholder), das cholagoge (Löwenzahn), das purgative (Senna, Faulbaum) und das karminative (Wacholder, Fenchel) Prinzip wieder. Das Mengenverhältnis der Einzeldrogen wird auf die Konstitution des Betroffenen und Manifestation der Erkrankung angepasst.

Richtungsänderung mit Löwenzahn oder Bremsmanöver mit Cortison?

Sollen nun pflanzliche Antidyskratika oder Chemosynthetika zum Einsatz kommen und was ist richtig? Grundsätzlich sollte die übliche „Entweder-oder“-Debatte in einer modernen Medizin ausgedient haben und in den meisten Fällen konkurriert die Phytotherapie in keiner Weise mit schulmedizinischen Maßnahmen (siehe Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen im Verdauungsapparat, etc.), sondern besitzt je nach vorliegendem Fall den Status einer sinnvollen Add-on-Therapie oder kann auch eigenständig funktionieren.

Im Falle der oben erwähnten „antidyskratischen Stoßtherapie“, dasselbe gilt übrigens auch für die ayurvedische „Umstimmungstherapie“, macht der gleichzeitige Einsatz mit Immunsuppressiva allerdings wenig Sinn und ist vielmehr kontraproduktiv. Beide sollten klar zu Therapiebeginn als Initialmaßnahme implementiert werden und nicht anders herum. Damit der Betroffene die dazu notwendige Geduld auch findet, wäre ein generelles Verwehren konventioneller Schmerzmittel gerade zu Beginn hingegen problematisch, denn pflanzliche Antirheumatika mit analgetischem Potential benötigen mitunter einige Wochen bis zum vollen Wirkungseintritt und eignen sich vornehmlich für den „Langstreckenlauf“, als für den „Sprint“.

Nach wie vor fehlt oft der gemeinsame und konstruktive Weg zwischen Phytotherapie und „Schulmedizin“. Für die moderne Rheumatherapie darf man sich die Aufnahme einer neu verstandenen „Antidyskrasie“ und den durch Pflanzen getragenen „Bewegungseffekt“ („herbal induced movement“) wünschen. Man sollte am Ende nicht sagen können, dass das Mittelalter für den Rheumatiker doch heller als gedacht war!