Höhenrausch zwischen Montasch und Canin

Höhenrausch zwischen Montasch und Canin

Alpines Genussbotanisieren in den Julischen Alpen (2 Tage)

Programm und Tourenbeschreibung

1. Tag: „Die Felsenfeste Canin und ihre bunte Ritterschar“

Blickt man vom Nevea-Sattel in die Nordseite des mächtigen Canin-Massives, vermutet man eine lebensfeindliche und trostlose Landschaft vorzufinden. Doch wo einst der Canin-Gletscher den Dolomitstock geformt und eine alpine Karstlandschaft hinterlassen hat, haben Pflanzen ihre Nischen gefunden. Die botanische Wanderung beginnt auf der 1850 m hoch gelegenen Gilberti-Hütte, die wir bequem mit der Seilbahn erreichen. Schon nach kurzer Zeit begrüßt uns der erste Kalkschuttpionier, der wegen seines ungewöhnlichen „Kleides“ Jahrzehnte lang als eigenständiger „Julischer Alpenmohn“ angesprochen wurde. In einer Senke lockt das Lila eines Bleiwurzgewächses und die an Schneetälchen angepasste Schwarz-Schafgarbe kokettiert mit einem Alpen-Hahnenfuß. Von der Hochstaudenflur um die Hütte geht es in rund 150 Höhenmetern über steinige Rasen auf den Sattel „Sella Bila Pec“. Unterwegs entdecken wir haarige Gestalten und mit etwas Glück auch die „Triglaurose“. Nach der ersten Rast mit Blick auf den „König der Julier“ folgen wir einem „teuflischen“, luftigen, aber bequemen Steig in Richtung Monte Sart. Die Suche gilt nun der seltenen „Dolomiten-Teufelskralle“. Doch selbst wenn es der Teufel nicht gut mit uns meint, guckt da und dort eine Zois-Glockenblume für uns hervor. In dem Meer aus Felsen und Steinen wird jede Pflanze zum Ritter geschlagen. Am Nachmittag stärken wir uns auf der Gilberti-Hütte, um danach die Schneetälchen- und Kalkschuttgesellschaften in Richtung Prevala-Scharte gemütlich zu erkunden.

Höhenmeter: ca. 500

Botanische Highlights: Papaver alpinum „var. ernesti mayeri“, Phyteuma sieberi, Campanula zoysii, Potentilla nitida, Bupleurum petraeum etc.

Abb. oben: Auf den ersten Blick nur eine "Rundkopf-Teufelskralle". Erst bei näherer Betrachtung entpuppt sich das Glockenblumengewächs als "Dolomiten-Teufelskralle". (Foto: Vogt D.)
Abb. oben: Die Zois-Glockenblume "malt" mit ihren verengten Kronröhren Sternlein in den Dolomit. (Foto: Vogt D.)

2. Tag: „Kugelnde Ginster & sonderbare Haarstränge über den Montasch-Almen“

Nur mit Herzklopfen kann ich mich ihm nähern!“, schreibt der Alpinist und Naturforscher Julius Kugy über den Montasch, den „König der Julier“ und zweithöchsten Berg in diesem Orogen der Südalpen. Herzklopfen bekommt auch jeder, der sich für die Formenvielfalt und den Kampfgeist unserer Gebirgsflora begeistern kann, wenn er am Fuße des Giganten steht. Vom Nevea-Sattel erreichen wir in ca. 12 Autominuten die Pecol-Alm am Hochplateau des Montasch, wo wir starten. Schon im lichten Lärchenwald „kugelt“ uns der für mediterrane Gebirge typische Kugel-Ginster entgegen. Wir wollen seine unbekannte Verbreitung bis in die Alpinstufe nachweisen und folgen der gelben „Markierung“ seiner Schmetterlingsblumen bis unter den Modeon del Buinz, wo wir einen einzigartigen Bestand des Raib-Haarstranges entdecken. Statt der „Trenta-Skabiose“, die Julius Kugy vergeblich gesucht hat, finden wir hier eine andere alpine „Krätzenblume“ und halten auch Ausschau nach einem Immigranten aus den Tafelbergen Südafrikas, dem Schmalblatt-Greiskraut, welches hier einen Höhenrekord erreichen kann. Die Brazza-Hütte lädt zu einer Einkehr am frühen Nachmittag ein, bevor wir die alpinen Rasen im Westen unter die Lupe nehmen. Die Heimfahrt fällt vielleicht etwas leichter, wenn uns am Predil-See neben der Straße noch eine „Dolomiten-Akelei“ zuwinkt.   

Botanische Highlights: Genista radiata, Peucedanum rablense, Rosa dumalis, Aquilegia einseleana und viele Kalkmagerasen-Arten.

Höhenmeter: ca. 500m

Abb. oben: Trotz seines Zweitnamens "Kärnten-Haarstrang" wollte der Doldenblütler doch lieber ein italienischer "Raib-Haarstrang" bleiben und kommt nur selten in den Kanischen Alpen vor. Hier unter dem Modeon del Buinz gibt er sein Debüt im steinigen Rasen. (Foto: Vogt)

Leistungsumfang:

  • Zwei geführte Touren mit je ca. 500 Höhenmetern.
  • Exklusives Kennenlernen der Südalpenflora in einer Kleingruppe.
  • Botanische, ethnobotanische und pharmazeutisch-wissenschaftliche Pflanzenbetrachtungen.
  • Möglichkeit zur professionellen Nachbestimmung von Arten am 1. Abend (Österr. Exkursionsflora, individuelle Hilfestellung).
  • Leihlupen bei Bedarf vorhanden (10er Einschlaglupen)
  • Auf Wunsch verbindliche Reservierung einer Zimmervariante im Gh. Divisione Julia.

Ausrüstung und Teilnahmebedingungen: Trittsicherheit im steinigen Gelände, Tragen fester Bergschuhe, Mitführen einer Bergausrüstung (Regenschutz, Sonnenschutz, Getränk, etc.), gültiger Reisepass.

Weitere Kosten: Nächtigung mit Frühstück (35-50 € je nach Zimmervariante), Tagesverpflegung und Seilbahn (€ 10,-) sind selbst zu tragen.

Unterkunft: Refuge Divisione Julia, Via Friuli, 2, 33010 Sella Nevea UD, Italien. Zimmer mit Bad je 50 Euro/Person inkl. Frühstück (2 Dreibett-, 1 Vierbett-Zimmer); Zimmer mit Bad am Gang je 35 Euro/Person (2 Dreibett-, 2 Vierbett- u. 2 Sechsbett-Zimmer). Wegen sehr limitierter Schlafmöglichkeit im Gebiet muss auf Einzelzimmerkomfort leider verzichtet und rechtzeitig gebucht werden! Laut Rücksprache mit Wirtin können 3-Bett-Zimmer mit Aufpreis auf 50 € als 2-Bett-Zimmer genutzt werden.)

Weitere Nächtigungsmöglichkeit ab 50 Euro besteht im Hotel Canin in unmittelbarer Nähe. Reservierungen müssen hier Grund von Stornobedingungen vom Teilnehmer selber durchgeführt werden.