Pflanzenbestimmen mit der Exkursionsflora

Pflanzenbestimmen mit der Exkursionsflora für Österreich

"Seit ich deinen Namen kenne, Blümchen, lieb ich dich!" (n. Haiku v. Teiji)

Kurzbeschreibung:

Unter dem Motto „Pflanzenbestimmen statt Bilderbuchraten“ startet im März 2020 erstmals ein Einführungskurs in die Benutzung der Exkursionsflora für Österreich. Dabei handelt es sich um das einzig speziell auf unsere heimische Flora eingehende und alle wild wachsenden Gefäßpflanzen Österreichs enthaltende Bestimmungswerk. In einer Kleingruppe wird der Gebrauch des feldtauglichen, A5-Format großen Buches im Laufe einer Vegetationsperiode an Hand ausgewählter Pflanzenfamilien und Gattungen verständlich gemacht.

Damit nicht jede Schafgarbe der Wiese eine „Wiesenschafgarbe“ bleibt!

Abb. oben: Mit der Exkursionsflora für Österreich lassen sich auch seltene heimische Pflanze wie der Rote Österreich-Bärenklau bestimmen, der in den meisten bildgestützten Werken fehlt. (Foto: Vogt)

Hintergrundinformation

„Was blüht denn da?“, ist eine spannende und oft unterschätzte Frage des Naturbegeisterten oder Heilpflanzeninteressierten, wenn alleine im Bundesland Kärnten rund 2100 wild wachsende Gefäßpflanzen zu entdecken sind. Vielfach werden nur Bilderbücher zu Rate gezogen, die im Regelfall lediglich einen Bruchteil der heimischen Flora behandeln und dabei weder die natürliche Spannweite von botanischen Merkmalen noch deren Veränderung im Jahresverlauf befriedigend erfassen. Viele Arten, z.B. Familienvertreter der Korb- und Doldenblütler, lassen sich mit üblichen Abbildungen nicht verlässlich identifizieren. Am Ende wird das Bestimmen oft zum Ratespiel und statt auf botanische Merkmalskombinationen zu achten wird das ähnlichste Bild gesucht.

Abb. oben: Der Unterschied zwischen behaartem und unbehaartem Stängel entscheidet hier zwischen einem harmlosen (links: Gold-Kälberkropf) und einem hochtoxischen Doldenblütler (rechts: Europa-Fleckenschierling). Die Exkursionsflora bietet hier ein „Code-System“ mit weiterführenden Gruppenschlüsseln für eine sichere Bestimmung an. (Foto: Vogt)

Viele „Kräuterkundige“ erkennen am Ende von Ausbildungen die Grenzen von bildgestützten Bestimmungsbüchern und suchen nach mehr Genauigkeit und Sicherheit, die z.B. in der Heilpflanzenanwendung besonders wichtig ist. Es ist eben nicht egal, ob man eine azulenreiche Blassrot-Echt-Schafgarbe mit einer azulenfreien, rot blühenden „Sudetischen Schafgarbe“ verwechselt oder statt einer salicylatreichen Bruch-Weide eine salicylatarme Silber-Weide erntet. Während in diversen Heilpflanzenkursen die notwendige Sorgfalt bei Ernte und Verarbeitung gelehrt wird und z.B. Mondphasen, exotische Auszugsmittel oder Glastypen ins Spiel gebracht werden, fehlt die Zeit sich mit der grundlegendsten Frage zu befassen: Wie unterscheide ich ähnliche Arten sicher voneinander?

Darüber hinaus schafft das eigenständige Bestimmen von Pflanzen auch Freude und öffnet das Bewusstsein für lokale Besonderheiten (z.B. Endemiten) oder seltene Unterarten.

Für viele „Kräuterexperten“ gibt es nur einen Augentrost. Welcher der rund 15 heimischen Arten ist oben abgebildet und wodurch unterscheidet er sich vom Gewöhnlichem Wiesen-Augentrost und dem Bunten Wiesen-Augentrost?

Nur wenigen gelingt der selbstständige „Sprung“ zur Verwendung eines auf Schlüsseln basierenden Bestimmungsbuches. Botanische Begriffe und fehlende Fotografien schrecken meistens ab und der Anfang wird oft durch Unsicherheiten und hohem Zeitbedarf begleitet. Im Kurs wollen wir die ersten Hürden gemeinsam bewältigen und in die praktische Verwendung des Buches „hineinwachsen“. Im Vordergrund steht daher nicht das oberflächliche Aufbessern einer meist rasch verblassenden Artkenntnis, sondern das nachhaltige Kennenlernen eines Bestimmungswerkzeuges.

Das „richtige“ Bestimmen von Pflanzen erfolgt nicht durch den Vergleich mit Abbildungen, sondern stellt einen Vorgang der eingrenzenden Befragung dar.

Abb. oben: Graphische Darstellung der Bestimmungsroutine für die Gattung Augentrost in der Exkursionsflora (vereinfacht). Wenn klar ist, wo an der Pflanze die Deckblattzähne zu finden sind, kann auch ein Anfänger den Gattungsschlüssel problemlos benutzen. (Abb. Vogt)

Die Verwendungsmöglichkeit der Exkursionsflora reicht dabei weit über das reine Bestimmen von Pflanzen hinaus und bietet:

  • Pflanzenbestimmung mit binären Bestimmungsschlüsseln (z.B. Familienschlüssel, Gattungsschlüssel, Spezial- und Alternativschlüssel)
  • Information zur Verbreitung von Arten in Österreich mit arealkundlichen Zusatzinformation.
  • Information zu Standortsansprüchen von Arten (Ökologie, Höhenstufe, etc.)
  • Angabe von wissenschaftlichen, deutschen und volkstümlichen Namen
  • Erklärung botanischer Merkmale und Begriffe (inkl. Skizzen)
  • Information zu Verwandtschaftsverhältnissen, Naturschutz, Florengeschichte usw.

Teilnahmevoraussetzung:

Besitz der Exkursionsflora für Österreich, Lichtenstein und Südtirol, 3. Aufl., als Kursarbeitsbuch. Eine Sammelbestellung für Euro 36,- (statt handelsüblich 45,-) ist möglich. Eine gewisse Vorkenntnis (z.B. Kräuterpädagoge, FNL-Pflanzenexperte, etc.) ist erwünscht, aber nicht zwingend notwendig.

Zusatzinformation:

Der Kurs ist ein möglicher Einstieg zum Erwerb des „Österreichischen Freilandbotanik-Zertifikat“ (ÖFBZ), für das bisher keine approbierten Lehrgänge vorgesehen sind. Das ÖFBZ ist ein anerkannter Nachweis über heimische Artkenntnis und botanisches Hintergrundwissen in 3 wählbaren Zertifizierungsstufen (250, 500 und 750 Arten) mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad. Prüfungsabwicklung und Ausstellung des Zertifikats erfolgen durch öffentliche Institutionen wie Universitäten und Naturwissenschaftlichen Einrichtungen (z.B . Naturkundemuseum Joanneum). Weitere Informationen sind der Homepage des Freilandbotanik-Zertifikates zu finden.